Ich bin Maren und derzeit mit meinem T4 in Portugal unterwegs.

Wie lebst Du als „Vanlove Girl“ das Vanlife -machst Du Ausflüge am Wochenende, Urlaub oder lebst Du dauerhaft im Van? Wie bist du dazu gekommen? Erzähl uns deine Geschichte.

Ich lebe jetzt erstmal für 3 Monate in meinem VW T4. Der Captain (nach unserer ersten Feuerprobe, den Kasseler Bergen, ist der Name hängen geblieben) und ich sind seit Mitte Juli in der Algarve, Portugal. Vorher waren wir oft für lange Wochenenden unterwegs und er hat mir so durch die Corona-Zeit geholfen.

Der Plan für den Winter steht noch nicht fest, das liegt aber auch daran, dass ich bisher immer feste Arbeit hatte und noch nicht weiss, wie ich ortsunabhängige Arbeit dauerhaft organisieren kann und will. Ich habe immer von einem Van und dem Reisen im Süden geträumt. Bestimmt schon seit 8 Jahren war ich mir sicher, dass ich so wirklich gerne reisen will, aber ich habe erstmal immer nur Vans gemietet, bevor ich letztes Jahr endlich Nägel mit Köpfen gemacht habe und den Van gekauft habe. Das war etwas abenteuerlich. Ich kenne mich mit Autos nicht so gut aus, und habe deshalb bei den ersten Probefahrten und Besichtigungen immer jemand mit dabei gehabt, oder befreundeten Mechanikern Bilder gezeigt und um Meinungen gebeten. Das Ende vom Lied: Sie haben mir von jedem Van, den ich mir leisten konnte, abgeraten. Ich hatte ein Budget von maximal 6000-8000 Euro, und in Hamburg findest du damit nichts, was einen Mechaniker richtig glücklich machen würde. Irgendwann hatte ich eine Idee, dass ein T4 oder ein MB 100 so meine Richtung von Auto wären, auf jeden Fall mit Stehhöhe. Und dann kam der Captain, T4, außerhalb von Hamburg, für einen wirklich guten Preis, mit 2 Jahren Tüv, 300.000 km, schrecklichem aber brauchbarem Ausbau, 2,4 Saugdiesel, wenig Rost. Nur: Keiner konnte mitkommen. Also bin ich alleine los. Hab ihn mir angeguckt, und mich entschieden. Allein. Ohne Zweitmeinung. Gekauft.

Was soll ich sagen? Die Überführung war ein Desaster: Mittwochs Abends, um 21.30, allein im Dunkeln im Regen bei 110 km/h auf der Autobahn, plötzlich ein Knall, und ich schlingernd zwischen den rasenden LKWs beim Manöver auf den Standstreifen. Reifen geplatzt. Ich saß da, und dachte, ich bin der dümmste Mensch der Welt, der sich das schlimmste Auto gekauft und 5000,00 Euro in den Sand gesetzt hat. Ich hatte ja alles alleine entschieden, organisiert, gekauft. Und war noch nicht mal im ADAC. Ich war so geschockt, ich konnte nicht mal heulen. Hatte das Gefühl, als ob das Auto mir den Stinkefinger ins Gesicht reckt und sagt: Mich kaufst du nicht! Ich habe dann Himmel sei Dank noch meinen befreundeten Mechaniker erreicht, der nur meinte: Maren, du musst jetzt cool bleiben! Das war meine Rettung. Einfach nicht heulen, sondern cool bleiben. Das ist jetzt eins meiner Lieblingsmantren: Cool bleiben! Seitdem weiß ich, dass ich mit geplatztem Reifen bei 20 km/h auf dem Standstreifen auch noch 2-3 km fahren kann. Und wie man Reifen wechselt. Und wie man cool bleibt. Seitdem schnurrt der Captain übrigens auch wie eine Eins. Wirklich, nach dieser ersten Jungfernfahrt hat er mich auf 10.000 km nicht einmal im Stich gelassen. Wenn mich eine Freundin nun danach fragt, ob oder wie sie ein Auto kaufen soll, sage ich ihr: Mach es! Und: Wenn du dich traust, dann mach es allein. Klar, Zweitmeinungen sind wichtig, und das man sich vorher schlau macht, worauf man achten sollte. Ich hab auch nicht gleich den ersten Wagen gekauft, den ich mir angesehen habe, sondern erstmal Erfahrungen gesammelt. Und es kann sein, dass es echt die falsche Entscheidung sein wird, das kann man vorher einfach nicht wissen. Aber es ist immerhin deine eigene Entscheidung. Das fühlt sich ganz schön toll an, muss ich sagen. Wenn ich auf die anderen gehört hätte, hätte ich wahrscheinlich immer noch keinen eigenen Van. Irgendwas ist ja immer. Und bei jedem Auto kann was sein. Das erfährt man aber auch erst, wenn man selber eins hat. Vorher erzählt einem das keiner. Oder man kann es nicht so nachfühlen, ich weiß es nicht. Jedenfalls sind der Captain und ich mittlerweile ein echt gutes Team. Und ich singe ihm jedes Mal vor einer langen Fahrt ein Mantra – damit all seine Technik ordentlich funktioniert und er uns sicher ans Ziel bringt. Bisher klappt das gut. 🙂

Besitzt Du schon deinen eigenen Van? Hast Du deinen Bus selbst ausgebaut oder ein Modell „von der Stange“? Wie fiel die Entscheidung auf dieses Fahrzeug?

Der T4 hat mir einfach gut gefallen, er funktioniert auch in der Stadt, denn er ist ziemlich schmal und hat einen zuverlässigen Motor, den man wirklich in fast jedem Land der Welt noch repariert bekommt. Außerdem dachte ich mir, einen Volkswagen, den kann ich auch immer noch wieder gut verkaufen – aber ehrlich, hat man erstmal einen Van, dann verkauft man ihn doch nicht mehr so schnell, wie ich das mal dachte. 🙂 Der Innenausbau war so eine mittlere Katastrophe, ich glaube, vor den letzten Besitzern hatten den Wagen so ein paar Techno-Kids – Musik- und Lichtanlage sind top, aber ansonsten war alles grauer Filz und total unlogisch ausgebaut. Erst dachte ich, ich änder gar nicht viel, aber als ich ihn mir genauer angeschaut habe, war schnell klar, dass es so nun gar nicht geht. Also alles raus, neuer Boden rein und neu eingebaut – schnell und simpel – in 8 Tagen mit einem Freund gemacht. Das war anstrengend und sollte nur provisorisch sein, aber eigentlich bin ich damit ganz glücklich. Ich habe ein Solarpaneel für Licht, Kühlschrank, Musik und Strom für den Rechner, das war mir sehr wichtig, denn ich wollte unterwegs mein Buch schreiben. Ich hatte gerade den Buchvertrag unterschrieben, und dann von der ersten Rate den Van gekauft und alles umgebaut. Ein Doppelbett, Oberschränke, viel Stauraum, Gasherd und Spüle – damit kann ich gut leben. Ich hab sogar eine kleine Notfalltoilette: einfach ein Eimer mit Sägespänen. Riecht nicht, nimmt nicht viel Platz weg, hat mich schon öfter mal gerettet. Außerdem einen ausklappbaren Tisch und eine Bank – so kann ich bei schlechtem Wetter auch drin arbeiten – oder mit 3 – 4 Freunden drinnen essen. Dann ist es zwar sehr voll im Captain – aber umso gemütlicher. Für mich allein funktioniert das überraschend gut. Und wenn mal Freunde übernachten, kann man das Bett sogar ausklappen.

Bist Du gerade glücklich?

Oh ja. Sehr. Gerade, während ich dies schreibe, sitze ich im Grünen in der Sonne, im Permakulturgarten meiner Freunde an der Algarve, trinke Vinho Verde, höre Bossa Nova, die Grillen zirpen, das Meer ist 15 Minuten von mir entfernt, die Markise vom Captain gibt mir angenehmen Schatten, ich war den ganzen Tag draußen, habe Kinderküsse bekommen, bin barfuss gelaufen, habe Yoga am Naturpool gemacht, gelesen. Ich bin innerlich ruhig und auf eine einfache Art glücklich. Nicht so super aufgeregt, sondern eher so: Oh hey, yeah, das ist wirklich mein Leben. Kein Traum. Sondern ganz und gar echt und warm und schön. Ich habe lange gebraucht, um mir so ein Leben innerlich ‚zu erlauben‘. Das klingt heutzutage ja ein bisschen quatschig, wir können ja offiziell alles machen, was wir wollen, aber meine inneren Konditionierungen standen mir ganz schön lange selbst im Weg. ‚Das darfst du nicht!‘ ‚Nicht allein‘ ‚Das schaffst du eh nicht!‘ Und ‚Du kannst deine Familie doch nicht einfach so allein lassen‘. Vor allem aber : ‚So glücklich darfst du gar nicht sein.‘ Es hat wirklich ein paar Jahre gedauert, bis ich innerlich so aufgeräumt hatte, dass ich mir auch im Außen meine Freiheit und mein Glück gönnen konnte. Und an manchen Tagen fällt es mir heute noch ein bisschen schwer. Dabei bin ich so gerne in der Natur, unterwegs, und kann auch hier produktiv und schlau sein. Ich muss dafür nicht in den 50 qm in meiner Stadtwohnung sitzen, nur weil sich das gesellschaftlich so viel abgesicherter anhört. Ich darf auch morgens mit Blick aufs Meer aufwachen und vor dem ersten Kaffee erstmal schwimmen gehen. Ich darf glücklich sein. Ich wünschte, dass würde viel mehr Menschen wirklich klar werden: ‚Du darfst das. Du schaffst das. Zusammen – oder auch allein. Du darfst so glücklich sein!’

Wo bist Du am liebsten unterwegs?

Zur Zeit am liebsten in der Westalgarve in Portugal. Hier ist es trotz des ganzen Corona-Wahnsinns angenehm entspannt. Aber auch Kantabrien, Galizien und die französische Atlantikküste liebe ich sehr. Und die Bretagne, Cornwall, Schottland und Irland rufen laut nach mir. Mal sehen, was der September mir bringt. Wenn ich in Hamburg bin, fahre ich am liebsten nach Fehmarn oder bis nach Westdänemark hoch. Der Atlantik und die Nordsee sind mir einfach die liebsten Meere. Vielleicht waren meine Vorfahren Wikinger oder Kelten, denn Wind, Sturm, Sonne, Meer und Wellen – das ist das Wetter, das mein Herz zum Singen bringt.

Wie verdienst Du Geld um dir das Reisen zu ermöglichen? Bist Du in einer Festanstellung oder
verdienst Du dir Deinen Lebensunterhalt bei Jobs auf der Reise? Hast Du ein eigenes Online-Business,
dann erzähle uns gern etwas darüber!

Ich bin selbständig als Coach für Transformation und Ahnenheilung tätig, sowie Präsenz- und Stimmtrainerin. Das Geld für diese lange Reise kommt von meinem ersten Buchvertrag – ein Buch über die Heilung der eigenen Familiengeschichte und der damit verbundenen inneren Glaubenssätze – bevor wir sie unseren Kindern und Nachkommen weitergeben. Es ist ein sehr persönliches Buch geworden und ich bin wahnsinnig stolz darauf – meine Weisheit als Coach und Medizinfrau auf diese Weise in der Welt weitergeben zu können. Und dann auch noch mein eigenes Leben noch mehr nach meinen Wünschen gestalten zu können – meine Ausbilderinnen würden sagen, ich habe exzellent manifestiert 🙂 .

Zur Zeit coache ich meine Klientinnen online, räume nebenher meine Website auf, habe meinen neuen Instagram Account gestartet, organisiere mein Marketing und meine neuen Online-Programme. Plus: Mein Buch ist endlich im Druck – es kommt Anfang Oktober raus, und ich übe, wie es klingt, mich selbst Autorin zu nennen. Bäm! 🙂 Das kann ich alles wunderbar von unterwegs aus machen.

Was sind deine Stärken und was deine Schwächen im Bezug auf das Vanlife?

Meine absolute Stärke ist es, mit lauter Musik lange Auto zu fahren. Wenn es sein muss, fahre ich auch mal 14-16 Stunden durch, kein Problem. Und den Bus aufräumen – ich liebe es, ‚rumzurödeln‘ und alles an seinen Platz zu bringen. Das kann ich meditativ auch mal eine Stunde lang machen und am besten stört mich dabei niemand. Die Freunde, die mich bisher unterwegs besucht haben, mussten ziemlich lachen, weil ich sie dann nicht im Van haben wollte, das strengt mich eher an. Aber selbst zu entscheiden, wie und was wo sein soll – und vor allem: Danach zu wissen, wo etwas ist, wenn ich es brauche – das liebe ich. Meine Schwäche ist, das ich wirklich in jedem Provisorium glücklich sein kann. Ich ‚guck das dann weg.‘ Dann kommen Van-Freunde und sagen: Das geht echt nicht! Und erst dann denke ich, stimmt, das geht echt nicht, und tu was. 🙂

Ich bin mittlerweile 38 Jahre alt, man soll es nicht glauben, aber ich werde mit jedem Jahr schöner, finde ich. Normalerweise lebe ich in Hamburg, quasi direkt an den Landungsbrücken. Zur Zeit reise ich an der Algarve mit dem Captain.

Mein neuer Instagram Account und meine Facebook Seite sind:

Instagram: marenhoffcoaching – Da kann man mir gut folgen, und wenn man wissen will, wo der Captain und ich gerade unterwegs sind auch: the_healing_journey2020

Websiten:

www.marenhoffcoaching.de für Coaching und Transformationsarbeit und

www.marenhoff.com für Stimm- und Präsenztraining

Und ihr erstes Buch ist auch veröffentlicht, hier geht es zum Buch „Jedes Kind darf Glücklich sein“

Wo und wie ich im Herbst unterwegs bin, wird mir der Herbst zeigen. Bis dahin freue ich mich über jede Begegnung, jeden Tag, jeden neuen Morgen. Ich wünsche uns allen eine behütete, innerlich friedvolle und gesegnete Zeit, unabhängig von allen äußeren Umständen.

Auf Nimiké Vanlove Girls wirst Du über alle Themen etwas lesen können, die das Vanlife als Frau betreffen. Hier wird nichts geschönt, aber Schönes auch nicht ausgelassen! Außerdem gibt es Hilfestellungen durch die Community, ebenso machen die Erfahrungsberichte anderer Frauen Mut.