Zwischen Camper-Himmel und Menschen-Massen-Hölle

Ehrlich gesagt… ich erinnere mich gar nicht mehr dran, wann ich das letzte Mal auf der CMT war. Damals war es noch überschaubar, gemütlich… Dass es so nicht mehr sein würde, das war mir schon irgendwie klar. Man muss sich nur die jährlichen Zulassungszahlen ansehen, um zu wissen, dass es der Branche alles andere als schlecht geht. Die Wartezeiten bei Neuwagenauslieferungen, die ja mittlerweile bis zu einem Jahr liegen können, sind ein weiteres markantes Indiz. Dennoch hatte ich mit vielem gerechnet aber ganz sicher nicht mit dem, was dann kam…

Ich traf tatsächlich schon in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ein. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass ich mir irgendwo vor der Messe ein Plätzchen suchen müsste um dann am Samstag hoffentlich noch einen Stellplatz für Lilith, idealerweise mit Strom, ergattern zu können. Selten habe ich mich so gerne geirrt und selten kann ich einer Messegesellschaft und ihrer Organisation ein so tolles Zeugnis ausstellen!
Nicht nur, dass ich mitten in der Nacht, es war immerhin ca. 02:30h, rein durfte, nein, man war auch vom Start weg darum bemüht mir ein Plätzchen mit Strom zu organisieren. Genau das war schon gar nicht mehr so einfach. Die meisten Plätze waren nämlich bereits durch Aussteller und deren Begleitfahrzeuge belegt. Offiziell war ich immerhin nur Besucher und sonst nichts. Inoffiziell war ich natürlich auch für euch unterwegs aber das musste ja erst Mal keiner wissen.
In dieser Nacht war zunächst kein Plätzchen mit Strom und meiner Kabellänge onBord verfügbar. Der sehr freundliche Sicherheitsmensch versprach aber seinem Kollegen von der Tagschicht Bescheid zu geben. Ich war dezent skeptisch. Schau ‘n wer mal…

Kaum 5 Stunden später, ich hatte mir extra den Wecker gestellt, damit ich parat wäre, wenn wirklich noch was passieren sollte, klopfte es leise aber vernehmlich an meiner Schiebetür. Man hoffe, man habe mich jetzt nicht geweckt… aber da wäre ein Plätzchen für die kleine Lady geschaffen worden mit Strom… Wow!

Also eines möchte ich an dieser Stelle mal ganz explizit erwähnen:
Alle Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, egal ob an den Schranken, Eingängen, Hallen oder eben einfach auf den Parkplätzen, waren durchweg freundlich und wirklich bemüht jedes noch so kleine Problem zu lösen. Das so mancher Besucher, in welcher Funktion auch immer, meinte, er hätte Sonderrechte, ließ man nicht durchgehen, blieb aber auch dann immer freundlich aber bestimmt. Chapeau! Da fühlt man sich doch gleich bestens aufgehoben.

Freitag richtete ich mich noch häuslich ein, besuchte CamperTobi auf dem Presseparkplatz, der kaum einen Steinwurf weit lag, auf dessen Einladung ich ja überhaupt hier gelandet war.
…und Samstag wurde es dann ernst…

Das Reinkommen war erst mal wenig problematisch. Wenn auch, paradoxerweise, die neuen Scanner-Geräte mit den Handy-Tickets nur mit sehr viel Geduld und „Lichtspielereien“ klar kamen. Das Durchkommen gestaltete sich aber sehr bald zu einer Mammutaufgabe! Der Ausdruck „gut besucht“ beschreibt es nicht annähernd, was da an Menschenmassen durch die Hallen schoben! Für mein Gefühl war die Messe schlicht und ergreifend überrannt worden. Extremst zu merken in der Zubehör-Halle 7 sowie den Hallen 9, wo die Schwestermesse für Rad-Urlaube und Co. stattfand, sowie Halle 10, wo man die Kastenwagen, Vans und das Van&Friends-Wohnzimmer untergebracht hatte.

Ich brauchte eine geschlagene Stunde, um vom Eingang der Halle 7 bis zum gegenüberliegenden Seitenausgang zu kommen. Gesehen habe ich dabei nicht all zu viel außer die verschiedenartigsten Ausprägungen von Hinterteilen, Rücken und Hinterköpfen.
…und nein! Nicht jeder schöne Rücken kann auch immer entzücken… der Verzweiflung näher bringen, die Geduld bis zum Äußersten malträtieren aber ganz sicher!

Ähnlich erging es mir in der Halle 9. In Halle 10 verteilte sich das Ganze zwar ein bisschen besser, einfach auch, weil die Stände größer und quasi durchlässiger waren aber weniger Menschen gab es auch da nicht.

Van&Friends-Wohnzimmer war für mich eher klein geratene Person überhaupt nicht sichtbar. Die Menschentrauben davor waren quasi festgefügte Mauern.

Nach ungefähr 6 Stunden, in denen ich mir zumindest mal einen groben Überblick verschaffen konnte, gab ich fix und alle und leicht entnervt auf. Zurück in den Van und zur Fellnase, mit der ich erst mal noch eine ausgiebige Runde lief – obwohl mir die Füße eigentlich schon längst den Dienst quittiert hatten.

Btw. Hund: Danke CMT!
Es gab ausreichend Wiesenflächen und an strategisch günstigen Stellen auch immer eine Box mit Kotbeutelchen und Entsorgungsbehälter. Überhaupt gab es auf dem ganzen Gelände verteilt genug Müllcontainer, die regelmäßig geleert wurden und jeden Morgen trabten auch noch Mitarbeiter mit kleinem Mülleimer und Greifern über das Gelände, um auch den Müll gleich wieder aufzusammeln, den weniger achtsame Menschen einfach fallen gelassen hatten.
Selten eine so super saubere Messe gesehen. Drinnen wie draußen.

Nach diesen Massen ersparte ich mir den Sonntag.
Auch den Montag blieb ich in meiner Lilith und arbeitete zum einen quasi einen Schlachtplan aus, was und wo interessant für eine nähere Betrachtung wäre und zum anderen stellte ich noch die fälligen Artikel für den Start unserer Website fertig. Ausstellerverzeichnis und Hallenpläne waren plötzlich höchst willkommen und interessant und auf der gut strukturierten Seite der CMT leicht auffind- und nutzbar.

Am Dienstag ging es dann wieder ins Getümmel.
…und JA! Es ist unter der Woche um ganze Universen entspannter!
Ich war zwar immer noch erstaunt, wie viele Menschen auch unter der Woche die Messe besuchten aber es gab endlich mal ein Durchkommen, man konnte sich Dinge genauer anschauen, ggf. Fragen stellen und es gab nun auch Gelegenheiten, um das eine oder andere Bild zu machen, natürlich, nachdem ich gefragt hatte. Klar war allerdings schnell: Ein weiterer Tag wird dir nicht reichen. Zu groß, zu interessant, zu viel zu sehen… und dann war da ja noch das Vans&Friends-Wohnzimmer.

Ich konzentrierte mich also eher auf Dinge, die als Selbstausbauer interessant sein könnten. Hier und da auch auf interessante Fahrzeuge von weniger bekannten aber dennoch interessanten Herstellern und klar…

Das eine oder andere Gespräch im Vans&Friends-Wohnzimmer konnte ich auch noch einsammeln. Dazu aber mehr in einem eigenen Artikel. Egal wen ich traf oder wie, in der Regel stellte sich heraus, sie alle sind einfach wie sie sind, wie man sie aus ihren Vlogs und Blogs kennen gelernt hat, soweit man da was kennen lernen kann.

Eine Sache, die man von den Ausstellern nicht unbedingt sagen konnte. Hier herrschte zum großen Teil eine mir völlig unverständliche Arroganz. Ich mag ja nicht nach „Geld aussehen“, sowieso den einen oder anderen äußerlichen Makel haben aber das alles ist nun wirklich kein Indiz meiner Liquidität, geschweige denn meiner Auffassungsgabe oder Intelligenz. Tatsächlich hat es sich der eine oder andere Hersteller/Händler von E-Bikes bzw. E-Skootern bei mir gründlich verscherzt. Tja… wer meine Taler nicht haben will, den zwinge ich garantiert nicht dazu.
Überhaupt konnte ich einen deutlichen Unterschied in der Kundenfreundlichkeit zwischen kleineren und Volumenherstellern feststellen. Je kleiner und jünger das Team, desto aufgeschlossener meinen Fragen gegenüber. Je älter, je bekannter ein Hersteller… ernsthaft… Wir leben nicht mehr im Mittelalter, werte Herren! Das geht heute aber mal ganz anders! Da kann es Ihnen eben schon mal passieren, dass die kleine, unscheinbare Lady vor ihrer Nase durchaus ein bisschen Ahnung mitbringt und gewisse Aussagen gehören einfach nicht mehr ins 21. Jahrhundert. Unfassbar.
…und noch was fiel auf: Kleine Label, kleine, eher junge Teams sind voll informiert über ihr Produkt oder wissen ganz genau wer im Team die passende Auskunft hat. Bei den Volumenherstellern kam es öfter vor, dass man schnell in ratlose Gesichter schaute, wenn man etwas tiefer in die Materie einsteigen wollte. Verkaufszahlen waren offensichtlich alles was zählte.

Alles in Allem war es auf jeden Fall ein echtes Abenteuer und ich habe euch noch die eine oder andere Geschichte mitgebracht.
In Sachen Neuheiten gab es hier und da was zu entdecken, da das meiste sich aber eher auf Ausbauten und weniger auf Innovationen an sich beschränkte, war ich in dem Punkt tatsächlich weniger unterwegs. Ein Highlight hier ist sicherlich der Farfalla-Klappzelt-Anhänger und vor allem der neue Affinity Van, der letztlich auch den SocialMedia-Preis verdient erhielt. Bei FlowCamper habe ich genau das entdeckt, auf das so einige sicher schon lange warten: Ein Modul einer TTT, sprich Trockentrenntoilette. Längst überfällig, wenn man mich fragt.
Module sind sowieso so ein Stichwort. Vor allem nach sinnigen und/oder flexiblen Modulen für den Selbstausbau habe ich Ausschau gehalten und bin auch fündig geworden. Das Problem: Die meisten sind für Bullis von VW… aber es gab tatsächlich einen Hersteller, der auch anderes auf dem Programm hat. Mit einem echt passenden Slogan: VanEssa – Wir vermöbeln deinen Van.
In der Zubehörecke gab es eigentlich nichts Neues zu entdecken. Allenfalls eher unbekanntere bzw. kleinere Firmen, deren Produkte eine nähere Betrachtung wert wären.

Mein Fazit insgesamt:

CMT lohnt sich auf jeden Fall. Egal ob Selbstausbauer oder Interessent für was Fertiges. Egal ob Caravan-, Van-, WoMo-Fan. Es gab für jeden was Interessantes und auch das Rahmenprogramm stimmte.

Die Messegesellschaft hat für meine Begriffe weitestgehend vorbildlich organisiert und war auch immer irgendwie ansprechbar. Einzig die Durchgänge in der Zubehör-Halle wie auch bei den Schwestermessen in Halle 9 waren doch arg eng konzipiert für diese Besuchermassen. Dafür sind aber die sich ergebenden kurzen Wege zwischen den Hallen ein echter Gewinn.
Auch die Stellplätze, scheinen diese erst Mal echt teuer zu sein, sind so gut als irgend möglich organisiert inkl. Ver- und Entsorgung, Strom und zudem 24h überwacht. Man darf sich zurecht sicher fühlen.

Anstrengend, aufregend, interessant… Ich komme gerne wieder!
Wer weiß… vielleicht dann auch in hochoffizieller Mission.

Im Auftrag der VanLove Girls zurück von der CMT grüßt euch eure Vic. <3

Über die Autorin

Vicky hat sich den Traum vom eigenen Bus erfüllt. Sie ist leidenschaftliche Schreiberin, hat großes Fachwissen rund um den Ausbau und teilt dieses gerne mit allen.

Auf Nimiké Vanlove Girls wirst Du über alle Themen etwas lesen können, die das Vanlife als Frau betreffen. Hier wird nichts geschönt, aber Schönes auch nicht ausgelassen! Außerdem gibt es Hilfestellungen durch die Community, ebenso machen die Erfahrungsberichte anderer Frauen Mut.