Freistehen in Portugal an der Algarve, ein ganz persönlicher Bericht über Verbote und den neuen Gesetzen für die Naturschutzgebiete nach Corona.

Bis heute komme ich aus dem Staunen nicht raus, wenn ich an die atemberaubenden Buchten hier an der Algarve fahre. Ich werde mich wohl nie satt sehen können.

Dieses Jahr, das Jahr 2020 ist ein ganz besonderes Jahr, als alle Grenzen noch geschlossen waren, war es so leer wie noch nie an der Küste und dass waren oft ganz besondere Momente, die ich mir bewahren werde. Selbst letzten Winter, also 2018/2019 habe ich es in der Nebensaison nie so leer gesehen, keine Camper und keine Touristen. Auch wenn es für mich totaler Luxus war, für das Land und die Menschen hier, war es mehr als schwer.

In der Zeit des Lockdowns stand ich bei Bekannten (durch einen guten Freund) mit auf dem Campo und wir haben es alle vermieden groß herumzufahren, aus Respekt vor den Portugiesen und da natürlich viel Unsicherheit dabei war, wie wir als Ausländer wahrgenommen werden. Es war keine leichte Zeit, mit vielen Herausforderungen, über Wochen mit Menschen die man kaum kannte, an einen Ort gebunden zu sein, das hat schon einiges von uns abverlangt.

Aber irgendwann, ca. nach fast 3 Monaten, bin ich mit Peter und Christin wieder losgefahren. Da sich die Gesetzte bezüglich Freistehen in diesem Jahr drastisch geändert haben, haben wir erstmal vorsichtig begonnen die Freiheit zu genießen und stellten uns an einen Stausee.

Auch wenn das Meer nach uns gerufen hat, war es die klügere Entscheidung erstmal ins Landesinnere zu fahren. Wir wurden freundlich begrüßt von den Einheimischen und dadurch auch geduldet. Es war super um erstmal wieder reinzukommen und alle Unsicherheiten, die sich in der Zeit aufgebaut haben, abzulegen.

Stausee Algarve Portuga

Für mich als Vollblut-Vanliferin ist es wirklich schwer lange an einem Ort ausharren zu müssen -dachte ich zumindest, aber mit dieser besonderen Situation gab einem das auch verrückterweise Sicherheit. Nach einer Woche verabschiedete ich mich von Peter und Christin, da sie gen Deutschland aufbrechen mussten und für mich begann nach ca. 3 Monaten das erste Mal wieder alleine Reisen. Ich muss zugeben, dass fühlte sich fast an wie beim ersten Freistehen, da ich aus der Übung war. Aber es dauerte natürlich nicht lang und ein unglaublich schönes Gefühl machte sich in mir breit, Freiheit… Liebe…alles.

Ich bin danach mehrere Tage unterwegs gewesen und leider durfte ich merken, dass Portugal mit seinen neuen Gesetzen Ernst macht.

Ich bin extra Orte angefahren, wo es hieß… Safe stehen war kein Problem in den letzten Monaten. Ich durfte merken, in Portugal war ab dem 1. Juli der Start der Hauptsaison. Den ersten Tag kam die GNR noch tagsüber und informierte mich noch recht freundlich darüber, dass das Parken von 08 bis 20 Uhr kein Problem sei, aber über Nacht stehen Strafe kostet. OK, also hab ich Abends zusammen gepackt und bin ins Landesinnere gefahren, um mich auf einen ungemütlichen Parkplatz zu stellen. Wenn man direkt so eine Ansage bekommt, weiß man auch das sie nachts kontrollieren kommen.

Aber selbst das Parken mit großen Mobilen wurde zunehmend schwerer (auch dafür gibt es neue Gesetze hier was dies verbietet)

In Portugal gilt es schon als Campingverhalten wenn du z. B. deine Schuhe vor dem Bus stehen hast oder eine Pflanze, das Seitenfenster abkippst oder Solarpanels in der Scheiben legst usw.

Ich bin die folgenden Tage anscheinend von einem Schutzengel begleitet gewesen, da sie alle Camper um mich drumherum aufgeschrieben haben, aber mich nicht, zum Glück.

Meine letzte Nacht des Freistehens sah so aus. Vor dem schlafengehen war der Camper so gepackt, dass ich einfach losfahren konnte ohne noch räumen zu müssen, als hätte ich es geahnt. Meine Nacht war sehr unruhig, da immer die Sorge da war…kommen sie wieder zum räumen?

Früh um 6:30 Uhr wurde ich durch Stimmen wach und nachdem ich meine Gedanken sortiert habe und auf die Uhr schaute, war mir klar, dass um die Uhrzeit niemals viele Portugiesen sich entspannt auf einem Parkplatz unterhalten. Ich schaute vorn durch Fenster und 3 große GNR Autos hatten 5 Camper am Wickel, ich wäre dann als nächsten dran gewesen.

All meinen Mut hab ich zusammen genommen und hab mich auf den Fahrersitz gesetzt und bin losgefahren, hätten sie mich aufhalten wollen…hätte ich natürlich einen Termin gehabt z. B. in der Werkstatt. Keine Ahnung ob es geklappt hätte, aber zum Glück musste ich es nicht ausprobieren. Die ganze Aktion fühlte sich an wie eine Flucht vor der Polizei, war es sicher auch und danach stand für mich fest: „Für mich ist es erstmal vorbei mit Freistehen“ das fühlte sich einfach nicht mehr stimmig an.

Nach dieser letzten Aktion habe ich mir einen Ort gesucht, wo ich als Camper willkommen war. Ein kleiner privater Platz mit nur 10 Stellplätzen, den ich dann natürlich auch bezahlt habe. Dazu gab es super nette Besitzer, eine Dusche und einmal die Woche sind wir zusammen einkaufen gefahren, also konnte mein Bus stehen bleiben. Ich fühlte mich echt wohl und mir war klar, ich darf mein persönliches Vanlife überdenken und meine Definition dafür loslassen.

Vanlife Portugal

Das war durchaus ein unbequemer Gedanke, bin ich doch vor über zwei Jahren in meinem Bus gezogen, um genau dieses Freiheitsgefühl zu haben an den schönsten Stränden zu schlafen und immer frei entscheiden zu können. Aber es nützt nichts. Ich kann mich dagegen wehren und mir meine Zeit hier selber schwer machen, oder einfach in der Situation entspannen und es trotzdem genießen.

Mein Eindruck ist,

dass durch massiven Anstieg von Campern durch Corona, sich einiges verändern wird und verändert hat. Nicht nur Deutschland (auch andere Länder wie Portugal) hat Massen an Verbotsschildern aufgestellt und wird in naher Zukunft sicher auch die Gesetze verschärfen. Dieses Jahr steht im Zeichen der Veränderung und ist es nicht genau diese Flexibilität, die man hat, als Vanlifer, sich immer neu zu entscheiden. Auch wenn man vielleicht seinen liebgewonnen Glaubenssatz ziehen lassen darf: Freiheit besteht darin, überall Parken zu dürfen, wo man es gerade will, gibt es immer noch genug Möglichkeiten seine Freiheiten zu leben. Jeder darf für sich entscheiden, ob er versucht gegen die Verbote zu rebellieren oder man übt sich in Wohlwollen und Verständnis dem jeweiligen Land gegenüber und versucht seinen persönlichen Weg zu finden.

Viele Dauerreisenden die ich treffe hier in Portugal und mit denen ich mich unterhalte, fühlen ähnlich. Sie merken, dass es alles nicht mehr so einfach ist und ziehen es mittlerweile auch vor safe auf Plätzen zu stehen, wo es erlaubt ist. Keiner kann sich so recht leisten, Strafen von 250 bis 2000 Euro hier in Portugal fürs Freistehen zu zahlen. Und leider kenne ich wirklich Leute, die das bezahlen mussten.

Es gibt sehr viele kostenfreie Stellplätze in diesem Land, diese findet man z.B. bei Park4Night oder in der App Campercontact. Aber auch kleine feine Stellplätze für schmales Budget gibt es, es muss nicht immer der Campingplatz sein!

Für diesen Winter werde ich mir auch einen Safe-Place suchen wo ich ganz offiziell stehen darf, um für mich Sicherheit zu schaffen. Mehrtägige Ausflüge sind dann besser zu genießen als die dauerhafte suchen nach Orten wo man schlafen kann. Das kann mitunter auch ziemlich stressig werden, wenn es täglich passiert. Jeder darf und muss in sich reinspüren wie es sich richtig anfühlt. Vanlife ist nicht vorbei nur weil es eben nicht mehr so funktioniert wie es lang gut ging.

In diesem Sinne lasst uns trotz aller Herausforderungen positiv in die Zukunft schauen und geniesst jeden einzelnen Moment, da dieser soooooo kostbar ist! 

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss:

In Portugal besteht seit Monaten hohes Brandrisiko und diese Thematik sollte auch nicht unterschätzt werden. Es ist absolut verboten Feuer zu machen oder in der Natur zu Grillen. In Wäldern sollt man auch dringend das Rauchen unterlassen. Die vielen Eukalyptus Bäume und Pinien brennen schneller als man schauen kann und es gibt fast täglich Brände in ganz Portugal.

Die Regierung schickt regelmäßig SMS an alle heraus um noch mehr zu sensibilisieren.

„High wildfire risk in Portugal. Dont use fire in rural areas // Riso Alto de invendio. Nao use fogo am espaco rural“

Es gibt auch einige gute Seiten im Internet wo man tagesaktuell schauen kann wo es brennt, dies kann auch bei der Reiseplanung helfen. Ich habe am Anfang meines Aufenthalts hier einen wunderbaren Tipp für eine App bekommen. Die Seite fogos.pt  stellt diese zur Verfügung und ihr könnt darin eintragen in welchen Gebieten ihr euch aufhaltet und bekommt eine Nachricht aufs Telefon, wenn Feuer in deiner Nähe sind.

In Liebe, eure Karin

Habt ihr Lust auf noch mehr solcher Berichte, schreibt es gern in die Kommentare.

Über die Autorin

Karin ist die „Gruppengründerin“ der Facebook-Gruppe „Vanlove Girls“ und als Visionärin sowie Impulsgeberin unterwegs. Sie lebt selbst seit 01.April 2018 Vollzeit im Bus.